Die psychologischen Aspekte von Yoga & Ayurveda frisch gebloggt

Die psychologischen Aspekte von Yoga & Ayurveda einfach übersetzt und frisch verbloggt

In diesem Glossar findest du die wichtigsten Sanskritbegriffe, die dass Spektrum der Psyche, sowie unser psychosoziales Entwicklungspotential umschreiben aufgelistet. Dieser Blog kann dir helfen, die Zusammenhänge von Ayurveda, Yoga und Psychologie zu verstehen.

Warum überhaupt Sanskrit?

Als ich vor vielen Jahren in meine Yogalehrerausbildung gestartet bin, war ich total überfordert von all diesen neuen Begrifflichkeit. Eine fremde Sprache zu lernen, die gefühlt ein einziger Zungenbrecher ist, stellte ich mir sehr schwer vor.

Bald jedoch wurden die Sanskrit-Begriffe für mich zum Fachjargon und ich musste mich in den Yogastunden und Klientengesprächen zurückhalten um für den Kunden verständlich zu bleiben. In den Praxis-Stunden auf der Matte ist dies natürlich viel leichter. In einem Yogakurs für Anfänger, ist es völlig unnötig z.B. Matsyāsana den Fisch auf Sanskrit anzusagen. Je tiefer der Yogaschüler allerdings in dieses komplexe Erfahrungssystem eintaucht, umso näher kommt er auch der Essenz dieser alten Sprache.

Auch im Ayurveda sind für viele Kunden die Fachbegriffe, sogenannte spanische Dörfer und nicht selten geht dadurch auch dass Interesse an diesem Wissensschatz verloren. Um aufzuzeigen wie umfassend die Psychologie in der Wissenschaft des Yoga und Ayurveda verankert ist, wird sich dieses Register alleine auf diesen Bereich beschränken.

Im Laufe der Zeit darf hier eine kleine Fach-Datenbank entstehen und du kannst dazu beitragen das sie wächst. Ich würde mich freuen, wenn du mir deine Fragen zu diesem Thema schreibst.

abhiniveśa:

Die Angst vor dem Tod. Ein instinkthaftes Festhalten am Leben, am materiellen Körper. Die Furcht nicht mehr zu Existieren ist der Nährboden für alle anderen Ängste, die wir im laufe des Lebens entwickeln.

Wird auch als ein Grund für unsere Leiden beschrieben und stellt ein großes Hindernis auf dem emotionalen, geistigen und spirituellen Entwicklungsweg dar. Gerade in der aktuellen Situation, die von Pandemien und anderen Katastrophen geprägt ist, ein wichtiger Begriff über dessen Bedeutung sich ein Nachdenken lohnt.

ahamkāra:

Hierbei handelt es sich um unser Identifikationsvermögen. Das Ich-Bewußtsein, oder wie im Yoga oft beschrieben als der Ich-Macher, EGO. Es entwickelt sich schon im Säuglingsalter und prägt sich durch unsere Erfahrungen im Laufe des Lebens immer mehr aus.

ahimsa:

Meint die gewaltlose Einstellung sich selbst und anderen Geschöpfen gegenüber. Es handelt sich um die innere Haltung der alles umfassenden Liebe gegenüber der Schöpfung. Erfahre dazu mehr, im sogenannten achtstufigen Pfad des Yogameisters Patañjali, der den Weg des Raja-Yoga (den Geistesweg) beschreibt. Finde in diesem Glossar die Verknüpfung zum Begriff yama.

antahkarana:

Der menschliche Geist, wird damit als komplexes Instrument beschrieben. Er besteht aus den Anteilen: manas, citta, buddhi und ahankara. Um die Zusammenhänge zu verstehen, lese mehr über die Bedeutungen zu den einzelnen Teilen des Geistes in dieser Liste, die nach Alphabet geordnet ist.

āsana:

Im klassischen Sinne wird der Begriff als Körperhaltung beschrieben und meistens im Hatha-Yoga verwendet. Eine Position, die fest, stabil und gleichzeitig bequem sein soll, erklärt auch Patañjali als Sitzhaltung für die Meditation. Egal in welche Situation du deinen Körper also bringst, nur wenn es sich fest, gleichzeitig leicht und freudvoll anfühlt, kommt der unruhige Geist zur Ruhe. Du siehst, hier gewinnt auch die Haltung unseres Geistes Bedeutung.

asmitā:

Hierbei handelt es sich um eine fehlgeleitete Identifikation unseres Geistes. Oft identifizieren wir uns mit unserem Körper oder der Familie. Nicht selten definieren wir unser Sein, mit unserer Arbeit und dem sozialen Status bzw. seinen Symbolen. Unser Selbstwertgefühl ist in vielen Fällen abhängig von diesen Identifikationsprozessen. Diese falsche Geisteshaltung führt zwangsläufig zu Leid, s. kleśas und behindert den spirituellen Entwicklungsweg.

ātman:

Das höchste Selbst, die tiefe Essenz, die allen Wesen und Dingen innewohnt. Manche mögen hier den göttlichen Aspekt ansprechen oder eine höhere Wesenheit erkennen. Ātman ist nur ein weiterer Name, für diese mystische Kraft, die in allem wohnt, die ganze Schöpfung umfasst und durchdringt. Sie ist unendlich und frei von Raum und Zeit.

avidyā:

Gemeint ist ein Zustand der Unwissenheit und Verblendung. Oft verstehen wir Zusammenhänge und Erklärungsmodelle nicht. Wissen erhalten wir, über ganz verschiedene Wege. Verinnerlichen und hinterfragen oder überprüfen können wir Erlerntes nur durch die persönliche Erfahrung und das holistische Zusammenwirken unserer Geistesfunktionen. Hier kommt auch die Fähigkeit des intuitiven Wissens ins Spiel. Die spirituelle Dimension der Wissenserfahrung spielt dabei eine entscheidende Rolle.

buddhi:

Als Teil des Geistes antahkarana, ist buddhi zuständig für unser Unterscheidungs-, Urteils und Erkenntnisvermögen. Damit werden wir befähigt intuitive Weisheit zu entwickeln und somit höchstes geistiges Entwicklungspotential anzustoßen. Die Fähigkeit zu Hinterfragen, zu Reflektieren und Hypothesen zu bilden verdanken wir diesem Teil des Geistes. Doch Achtung!!! Buddhi ist wie ein Muskel, gebrauchen wir in nicht, verkümmert er.

citta:

Das Unbewusste, oder auch unser Unterbewußtsein genannt, kannst du dir wie eine riesige Datenbank aus abgesicherten Informationen vorstellen. Hier sammeln sich alle Spuren samkāras unserer geistigen Tätigkeiten und Eindrücke. Nichts geht verloren, alles was wir erleben und erfahren wird dort archiviert. Genau dort setzen auch unsere Trigger an und spülen so manches an die Oberfläche, was bewusst nicht abrufbar ist.

dvesa:

Eines der fünf Hindernisse die es zu überwinden gilt um leidvolle Situationen kleśas zu vermeiden. Für diesen Begriff finden sich viele Beschreibungen. Immer wenn wir etwas ablehnen oder mit starkem Widerwillen Dinge erledigen, kreieren wir leidvolle Momente. Z.B. eine verhasste Tätigkeit, die wir nur mit Abneigung erledigen, kann niemals freudvoll und erfüllend sein.

guna:

Manchmal sprechen wir auch von den gunas, als übergeordneten Begriff für die Qualitäten unserer Urnatur. Beschrieben werden damit die Grundeigenschaften der kosmischen Materie prakriti. Diese sind tamas, rajas und sattva. Sie beschreiben auch die unterschiedlichen Zustände unseres Geistes, der ein Bestandteil der Natur ist. Lies dir bitte die Definition der einzelnen gunas durch, damit sich dir die Zusammenhänge erschließen.

jñānaindriyas:

Werden im Sanskrit unsere Wahrnehmungssinne genannt. Durch die Fähigkeit zu sehen, hören, tasten, riechen und schmecken erfahren wir die Welt in der wir leben. Diese Erfahrungen wirken sich auf unsere Emotionen und Gedankenmuster aus. Sie sind quasi das Einfalltor jedes Gedankens, und nehmen Einfluss auf die Psyche.

karma:

Oft wird in den Begriff Karma sofort eine Bewertung gelegt. Gutes oder schlechtes Karma ist meist die Frage. Dabei umschreibt er einfach das Gesetz von Ursache und Wirkung. Die Philosophie dahinter ist ganz einfach, nix geht im Kosmos verloren denn jede Handlung erzeugt ein energetisches Muster. Schicken wir also einen Gedanken in die Welt, so hat dies immer eine Auswirkung.

klesha:

Wie schon mehrmals angesprochen, handelt es sich dabei um die unterschiedlichen Hindernisse, die sich auf unserem Entwicklungsweg als geistige Hürden zeigen. Patañjali spricht hier von den fünf Ursachen menschlichen Leidens. Sie werden wie du in dieser Chronik nachlesen kannst, avidyā, asmitā, rāga, dvesa und abhiniveśa bezeichnet.

kosha:

Damit erklärt der Yoga ein Modell unseres Seins. Zentral ist dabei das höhere Selbst, das von den Schleiern oder Ebenen des Bewusstseins umhüllt wird. Körperhülle, Energiehülle, Emotionshülle, Geisteshülle und die Hülle des Spirit durchdringen sich dabei holistisch.

manas:

Kannst du dir wie die Schaltzentrale unseres Geistes vorstellen. Als Instanz unseres geistigen Instrumentes antahkarana, nimmt es alle Sinnesempfindungen auf. Diese werden quasi geordnet, sortiert und bewertet. Manas steuert die Reaktionen auf Erfahrungen und Sinnenreize die bewusst gemacht werden oder aus citta dem Unterbewusstsein einfließen.

mantra:

Damit wird eine Klangschwingung bezeichnet, die die Essenz des göttlichen, des absoluten Seins transportiert. Uralt und jedes Objekt durchdringend, erinnert es unser Zellbewusstsein an den Zustand der Glückseligkeit. Es handelt sich um heilige Worte und Gebete, die in der Yogatradition bereits über tausende von Jahren weitergegeben werden. Ein Mantra wird in der Meditationspraxis als Konzentrationsobjekt benutzt um den Geist zu fokussieren. Es kann Abstrakt sein, oder einen höheren Aspekt verkörpern. Das bekannteste Mantra ist der Laut OM oder AUM.

niyama:

Im bereits erwähnten achtstufigen Pfad, stehen die niyamas an zweiter Stelle. Sie können als Empfehlungen gedeutet werden, die uns helfen um unser spirituelles Entwicklungspotential zu aktivieren und auszuschöpfen. Fünf Vorschläge für den Umgang mit uns selbst legt uns Patañjali hier ans Herz. Śauca körperliche und geistige Reinheit, samtosa Zufriedenheit, tapas Selbstdisziplin, svādhyāya Selbststudium und Textstudium, sowie iśvara-pranidhāna das Gottvertrauen

prakriti:

Die Urnatur, wie du schon im Zusammenhang mit den gunas erfahren hast, ist latent in allem vorhanden. Sie beschreibt das Prinzip des Materiellen. Sozusagen eine stoffliche Ursache für alles was besteht. in welchen Erscheinungsformen Prakriti sich uns offenbart ist abhängig von den untrennbar miteinander verbundenen Gunas.

purusa:

Hat viele Namen, wird als reines Bewusstsein, göttliches Prinzip oder auch das höhere spirituelle Selbst beschrieben. Ich nenne es gerne göttliches Bewusstsein oder universelle Seele, welche in jedem Wesen wohnt. Es durchdringt alles was aus prakriti hervorgeht. Doch es ist ungebunden und unveränderlich, somit frei von Leben und Tod.

rāga:

Auch rāga ist eines der fünf Leiden, die ich hier bereits erwähnt habe. Gemeint ist die Anhaften an Dingen, Menschen, Situationen. Unsere Leidenschaft treibt uns zu rāga, den wir werden magisch durch unsere Wünsche angezogen. So kennst bestimmt auch du das Gefühl etwas Haben und Festhalten zu wollen.

rājas:

Das Prinzip der Bewegung und Dynamik, ein weiteres guna. Ohne rāja-Energie können wir nicht aktiv werden, den sie steuert unseren Antrieb. Diese Grundeigenschaft ist auch eine wichtige Voraussetzung für alle geistigen und schöpferischen Prozesse. Wie bei allen gunas ist es wichtig die richtige Balance zu halten. Je nach Lebenssituation und Lebensalter darf sich die Gewichtung dabei anpassen.

samādhi:

Eine Verschmelzung oder Einswerdung mit unser unerschöpflichen Quelle, könnte eine Beschreibung sein. Ein Augenblick der Realisierung des höheren Selbst, eine samādhi-Erfahrung bringen. Um es mit Patanjalis Worten zu sagen: Die achte Stufe des Pfades der Erleuchtung und somit höchster transzendenter Zustand bedeutet, Ruhen in reinem Bewusstsein des purusa.

samskāra:

Stell dir vor, da sind viele Spurrillen und Eindrücke, die in deinem Geist wie verborgene Saatkörner schlummern. Jeder Gedanke hinterläßt einen imaginären Abdruck, eine Signatur in deinem Körper-Geist-System. Jeder Wunsch inspiriert uns zu unseren zukünftigen Handlungen und hat Einfluss auf die Lebensgestaltung. Viele dieser Eindrücke wirken erstmal im Verborgenen. Sie hinterlassen tiefe Rillen, in denen wir wie eine LP immer wieder das gleiche Lied abspielen, wenn wir sie unreflektiert lassen.

sattva:

Noch ein guna aus dem Trio der Energiequalität, der kosmischen Materie. Wenn du diese Energie in deinem Leben kultivierst, wirst du viele Momente des Glücks und der Freude anziehen. Harmonie, und das Gefühl im Gleichgewicht, im Reinen mit deinen Handlungen zu sein wird sich in alle Lebensbereiche ausdehnen. Positive und lichtvolle Gedanken verändern den Geisteszustand und lassen dich spirituell wachsen.

svādhyāya:

Wie bereits bei den niyamas erklärt, ist svādhyāya ein Teil der Empfehlungen des achtgliedrigen Pfades. Um dein inneres Potential zu entwickeln, ist es wichtig an dir zu arbeiten. Mit dem Körper und unseren Sinnesorganen machen wir Erfahrungen, die es zu hinterfragen gilt. So fordert uns Patanjali auf eine immerwährende Innenschau zu betreiben. Uns selbst zu befragen, in die Reflexion zu gehen ist eine Gabe des menschlichen Geistes. Doch dies ist nur die eine Seite des Begriffes, denn er bedeutet auch sich Wissen im Außen anzueignen. Texte lesen, zuhören und beobachten, kann uns so manchen Aha-Moment schenken.

tamas:

Das dritte guna, bezeichnet eine niedere Schwingungsfrequenz. Die Beschreibungen reichen von fest, dicht, schwer, bis zu dunkel und träge, wenn es um die materielle Materie geht. Natürlich wirkt dieses guna auch als geistige Grundenergie. Mindfuck ist jetzt wohl in unserer Zeit ein stehender Begriff für diesen Geisteszustand. Alles was den freien Geist hindert kreativ zu sein, mentale und spirituelle Entwicklungsprozesse anzustoßen. In der Psychologie wird hier auch von einer depressiven und destruktiven Geisteshaltung gesprochen.

tapas:

Damit ist keine spanische Vorspeise gemeint, sondern die Fähigkeit der Disziplin und Selbstkontrolle. Wie schwer es ist einem Wunsch ein bewusstes „Nein“ entgegenzusetzen, wissen wir alle. Den inneren Schweinehund in die Wüste zu schicken, dafür brauchen wir die Fähigkeit zu widerstehen. Tapas fordert uns auf für ein Ziel zu brennen und um es zu erreichen, unseren üblichen Handlungsmustern eine andere Richtung zu geben.

vrtti:

Gemeint ist jegliche Bewegung unseres Geistes. Gedankenwellen und Muster, denen wir folgen. Auch die Wahrnehmungen und Gefühle, die in uns hochsteigen und das Instrument des Geistes in Bewegung bringen. Patañjali sieht in der Meditation, die Chance um die Gedanken im Geiste zur Ruhe zu bringen und dadurch einen überbewussten Geisteszustand zu erreichen.

yama:

Das erste Glied des achtgliedrigen Pfades nach Patañjali, dreht sich ganz um den richtigen Umgang mit der äußeren Welt. Aber auch die eigenen Verhaltensregeln in Bezug auf unsere Entwicklungsziele werden betrachtet und so das Innere in Bezug zum Äußeren gebracht, denn yama stellt uns die Frage: „Wie sehe ich Die Welt und interagiere mit ihr.“ Yama umfasst die Gewaltlosigkeit und den Wunsch nicht zu verletzen ahimsa, Wahrhaftigkeit satja, Nicht-Stehlen asthea, Mäßigung im Umgang mit den Sinnen brahmacarya, sowie Nicht-Begehren aparigraha von Besitz im manifesten und geistigen Sinn.

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